Trends für die Wand: Ist das noch Tapete – oder schon Kunst?

Trends spiegeln Bedürfnisse und Sehnsüchte wieder. Selbst an den Tapeten zeigt sich das. Was wir jetzt zu Hause brauchen, sind Gemütlichkeit, Urlaubsgefühle – oder ganz große Kunst.

Auch der dezentere Trend mit Pflanzentapeten kann ausdrucksstark und farbenfroh sein.

Bild: Marburg/DTI/dpa

Düsseldorf. (dpa) Haben Sie noch eine ganze Wand frei, vor der nur wenige Möbel stehen? Die Tapetenhersteller hätten sie gerne – für ein extravagantes Bild. Oder das Motiv eines Dschungels. Das sind zwei der aktuellen Trends bei den Tapeten. Die Frage ist natürlich: Für welche Wohnräume eignen sich solche Extravaganzen? Wir geben einen Überblick – und stellen auch dezentere Optionen vor:

Kunst für die eine fast möbelfreie Wand:

Expressive Darstellungen, farbstarke Aquarelle und wirklich große grafische Muster – manche Tapeten könnten auch im Museum hängen. Aber genau da kommt man in Coronazeiten nicht mehr so oft hin. Die Trendanalysten des Deutschen Tapeten-Instituts erwarten daher, dass diese Stilrichtung insbesondere in der Pandemie anspricht: Wer im Vor-Corona-Leben viel unterwegs war und jetzt hingegen vermehrt zu Hause bleiben muss, der holt sich das besondere Kunsterlebnis eben über solche Tapeten quasi ins Haus. Trends brauchen immer ein paar Jahre von ihrem ersten Erscheinen hin zu einem Höhepunkt. Daher sind die künstlerischen Tapeten auch nicht ganz neu. „Aber der Unterschied zum vergangenen Jahr ist doch ziemlich drastisch, weil die Motive so farbig und expressiv und knallig geworden sind“, sagt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts. „Damit beklebt man wohl nur eine Wand, sonst wird man optisch erschlagen.“ Das tun eher Menschen, denen die Einrichtung wichtig ist – auch um sie Besuchern zu zeigen. Und sie brauchen eine Wand, die die Werke tragen kann: „So eine Tapete hängt nicht an der kleinen Wand im Flur, an der man vorbeigeht und das Motiv gar nicht richtig wahrnimmt. Sondern da muss schon die schönste und sichtbarste Wand im Wohnzimmer oder Esszimmer her, damit man sich das aus drei Meter Entfernung angucken kann“, sagt Brandt. „Und dann würde ich das Motiv auch nicht verstecken, sondern nur Einzelstücke wie einen schönen Sessel oder die schöne alte Kommode von der Tante davorstellen“, rät der Experte. „So ein Motiv ist ein Hingucker und das muss auch entsprechend positioniert werden.“

Heimische Pflanzenmotive für ganze Räume:

Der Gegentrend sind dezentere Pflanzenmotive, oft in zarten Farben. Irgendwie altbekannt, aber trotzdem etwas anders sind die Tapeten mit Blumen und Pflanzen, die 2022 in den Handel kommen. „Einige Motive sind in ihrer Farbund Motivwirkung stärker denn je“, sagt Branchenexperte Brandt. „Bei manchen Motiven könnte man denken, das hängt schon lange bei der Oma.“ Ihm und seinem Team ist aber aufgefallen, dass es 2022 heimische Pflanzen an die Wand schaffen. „Regionales ist sowieso im Trend, auch beim Einkaufen und Essen.“ Da Trends einem Zeitgeist entsprechen, findet sich aber auch hier noch eine coronabedingte Erklärung: Während exotische Pflanzen einen Sehnsuchtscharakter haben, steht die heimische Pflanzenwelt für das Zuhause bleiben. Und den Ansporn, es sich dort gemütlich zu machen. Die Pflanzenmotive setzen sich farblich von knalligeren Trends an der Wand ab. „Ich finde, wer sich mit heimischen Motiven einrichtet, der macht es für sich und seine Familie. Ihm geht es nicht darum, andere zu beeindrucken“, sagt Brandt. „Und dazu passt eigentlich jeder Einrichtungsstil und jede Kombination.“ Und es können größere Möbel davorstehen, Schränke zum Beispiel. „Das ist auch am ehesten jener Tapetenstil, den man sich auf zugleich drei oder gar vier Wänden im Raum vorstellen kann“, so der Tapetenexperte.

Dschungelbilder für Wände als Blickfang:

Ebenfalls Pflanzen, aber in ganz anderer Aufmachung und Farbkraft, zeigen die Dschungel-Tapeten. Das ist ein Trend der vergangenen Jahre, der bleibt – aus guten Gründen. „Wenn wir uns die Kollektionen der Hersteller anschauen, dann scheint es auch weiterhin eine große Nachfrage nach solchen Motiven zu geben“, berichtet Brandt. „Und im Unterschied zu den früheren Jahren wurden die Motive noch weiter ausdifferenziert, man hat noch mehr Pflanzenarten auf den Tapeten.“ Außerdem handelt es sich dabei auch oft um komplette Wandbilder statt nur ein sich wiederholendes Muster auf den Rollen. Denn mittlerweile sind laut Brandt alle Hersteller in der Lage, komplette Bilder passend für die jeweiligen Wandmaße eines Kunden zu produzieren. „Und das bietet sich bei diesem Thema auch an.“ Der Hauptunterschied zu den Wandkleidern mit der heimischen Blumenwelt: Die Dschungelwelt sei etwas Exklusiveres und Knalligeres. Sie steht für die Sehnsucht nach Reisen und Abenteuer. Auch sie ist etwas zum Vorzeigen, wo davorstehende Möbel eher Beiwerk sind. „Ich würde hiermit wahrscheinlich auch nur eine Wand tapezieren, weil die Motive so ausdrucksstark sind“, sagt Brandt.

Passendes fürs dezente, aber schicke Interieur:

Wiederum eine auf den ersten Blick unauffällige, aber beim genauen Hinschauen ebenfalls exklusive Wand-Mode überschreibt das Tapeten-Institut mit „Natürlicher Luxus“. Dahinter stecken Tapeten, die wie Handarbeiten wirken – gestrickt, gewebt, getupft. Teils sind sie das sogar, teils wirkt der Druck nur so. Diese Tapeten sprechen für Tapetenexperten Brandt tendenziell eine ältere Zielgruppe an, die einen ganzen Raum oder gar die ganze Wohnung nochmal einer Renovierung unterziehen und ihre edlen Teppiche und Möbel mit dazu passenden Wänden begleiten wollen. „Hier muss alles genau zueinander passen. Um ein gutes Beispiel zu nennen: Die Stühle tragen das Wiener Geflecht, dann soll die Wand das auch zeigen“, so der Experte. Auch hier will die Zielgruppe es sich zu Hause richtig gemütlich schön und wohnlich machen. Dazu gehöre eine Einrichtung mit „viel Holz und schlichten Formen, alles eher dezent“, sagt Brandt. „Dazu passt weniger ein ganz bunter Stoff auf dem Sofa.“

„Einige Motive sind in ihrer Farb- und Motivwirkung stärker denn je. Bei manchen Motiven könnte man denken, das hängt schon lange bei der Oma.“

Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts

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