Heiße Sommertage: Wie wird es im Wohnraum kühler?

An heißen Tagen ist es im Freien oft angenehmer als im Haus: Denn dort geht ein leichtes Lüftchen, während im Haus die Luft steht. Das kann man tun, um die Wohnräume kühl zu halten oder abzukühlen. 

Fensterscheiben sollten an heißen Sommertagen abgedunkelt werden, damit die Sonnenwärme nicht in den Raum eindringen kann. Also Rollläden runter oder Gardinen zu. Bild: Christin Klose/dpa

Von Katja Fischer, dpa

Düsseldorf. Der Sommer hat auch Schattenseiten: Etwa wenn es in den Wohnräumen nahezu unerträglich heiß wird. Aber es gibt Wege, die Innenräume kühl zu halten oder wieder abzukühlen – und das ganz ohne stromfressende Klimageräte:

■ Nachts möglichst lange querlüften

Dieser Tipp ist gerade wichtig, wenn es mehrere Hitzetage in Folge gibt: Dann sollte man nachts, wenn es nicht mehr heiß ist, ausgiebig lüften. Das kühlt die schweren Bauteile im Haus, erklärt Christian Handwerk von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Er rät dann zum Querlüften möglichst über einen langen Zeitraum. Sind die Bauteile gut heruntergekühlt, heizen sie sich am folgenden Tag nicht zu sehr auf. „Sinkt die Temperatur der Bauteile aber nur wenig, erhitzen sie die Wohnung Tag und Nacht. Deshalb sind längere Hitzeperioden, in denen auch die Nächte warm sind, so unangenehm“, so Handwerk.

■ Durchzug oder Fenster zu?

Zum Lüften tagsüber gibt es verschiedenen Ansichten. Denn wenn drinnen das Thermometer immer höher steigt, ist es für viele ein erlösender Reflex, die Fenster aufzumachen und Durchzug zu erzeugen. „Der kühlt zwar den Menschen, weil der Schweiß verdunstet“, sagt Christian Handwerk. „Aber das Zimmer wird aufgeheizt.“ Die heiße Luft von draußen erwärme alles im Raum – den Boden, Möbel, Decken, jedes Bauteil. Daher sagt Handwerk: „So schwer es auch fällt, am besten ist es, an heißen Tagen alle Fenster tagsüber geschlossen zu halten.“ Die Verbraucherzentrale NRW rät, tagsüber die Fenster nicht zu oft und wenn auch nur kurz zu öffnen, um frische, sauerstoffhaltige Luft hineinzulassen. Und steigt einem die stehende Luft dann zu sehr zu Kopf, dann empfiehlt die Verbraucherzentrale, statt Lüften mit Durchzug Ventilatoren anschalten. Von Klimageräten rät sie hingegen ab. Diese sind nicht nur mehrere Hundert Euro teuer und verbrauchen mehr Strom als Ventilatoren, sie kühlten oft auch weniger als erwartet.

■ Fenster abdunkeln

Die Räume werden auch bei geschlossenen Fenstern erhitzt, wenn Sonnenstrahlen ungehindert in sie eindringen können. Daher lautet einer der wichtigsten Tipps an heißen Tagen: Fenster abdunkeln. „Außenliegender Sonnenschutz wie Rollladen ist der beste Schutz vor Hitze“, sagt Andreas Köhler vom Bauherren-Schutzbund in Berlin. Er rät sogar dazu, sie tagsüber vollständig zu schließen. Wer keine Rollläden oder alternativ Außenrollos hat, kann seine Fenster mit Innenrollos verdunkeln. „Am besten sind Rollos mit reflektierenden Oberflächen, zum Beispiel Alu-Lamellen“, sagt Christian Handwerk. Da sie die Sonnenstrahlen gar nicht erst hereinlassen, sondern gleich zurückwerfen, schützen sie deutlich besser als einfache Abdunkelungen. Er rät auch zu Sonnenschutzfolien, die auf der Außenseite direkt auf die Fensterscheiben geklebt werden. „Die sind lichtdurchlässig und können auch im Winter dranbleiben“, so Handwerk. Allerdings verdunkeln die Folien den Raum dann auch an dunkleren Wintertagen.

■ Wärmequellen ausschalten

Dieser Tipp spart nicht nur Energie, sondern ist auch ein guter Schutz gegen die Hitze: das Umstellen der Heizung auf Sommerbetrieb. „Im Normalbetrieb wird heißes Wasser durch die Heizungsrohre gepumpt, selbst wenn die Thermostate der Heizkörper ausgeschaltet sind“, erklärt Christian Handwerk von der Verbraucherzentrale. Das erwärmt ungewollt die Räume. Beim Umstellen auf Sommerbetrieb wird die Heizkörperversorgung abgeschaltet, die Rohre bleiben kalt. Auch Elektrogeräte sollten aus diesem Grund vollständig abgeschaltet werden, denn sie laufen warm. Zwar strahlen die meisten Elektrogeräte im Haushalt nicht sehr viel Wärme ab, aber in der Summe kann es schon etwas bewirken, wenn Fernseher, Computer und Co. zumindest nach der Nutzung ausgemacht werden, sagt Christian Handwerk. Allerdings: „Der größte Abstrahler, der Kühlschrank, lässt sich nicht abschalten. Er wird ja gerade bei Hitze besonders gebraucht.“ Wenn es wirklich sehr heiß ist, ist es sinnvoll, auf so manches Gericht zu verzichten. Nicht nur, weil es schwer im Magen liegt, sondern weil der Backofen für Auflauf oder Sonntagskuchen natürlich auch ganz schön viel Wärme produzieren muss. „Außerdem erhöht sich die Luftfeuchtigkeit, was die Hitze noch belastender macht“, sagt Andreas Köhler. Wer nicht drauf verzichten will oder kann, sollte besser in den kühlen Morgen- oder Abendstunden backen.

■ Teppich entfernen

Bewohner südlicher Länder machen es vor: Ihre Böden bestehen aus kühlen Fliesen oder angenehmen Holzbelägen, die eher nicht mit Teppichen belegt sind. Und das ist auch der Rat von Christian Handwerk: Im Sommer besser die Teppiche einrollen und einlagern. „Ein Teppich ist streng genommen Dämmmaterial“, so Handwerk. „Durch dicke Teppiche wird die massive Fußbodenkonstruktion vom Rest des Raumes entkoppelt. Das heißt, wenn gelüftet wird, erreicht die kühle Luft den Fußboden nicht und die Wärme staut sich darin.“

■ Pflanzen aufstellen

Etwas Abkühlung können auch Zimmerpflanzen in den Wohnraum bringen. „Vor allem Blätter mit großer Oberfläche geben kühlende Feuchtigkeit an die Umgebung ab“, erklärt Jürgen Herrmannsdörfer vom Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur. „Das Einblatt ist beispielsweise ein Hochleistungsverdunster, aber auch Nestfarn und Zyperngras eignen sich.“

■ Auf Feuchtigkeitsquellen verzichten

Wie die Pflanzen bringt auch frisch gewaschene Wäsche, die auf dem Wäscheständer im Zimmer trocknen soll, Feuchtigkeit in den Raum. Das kann zunächst durchaus angenehm sein. Denn für die Verdunstung des Wassers der feuchten Textilien wird der Umgebung Wärme entzogen und das macht sich für als Abkühlung bemerkbar. Vor allem in unmittelbarer Umgebung zu den Stoffen. Der Prozess hat aber auch einen kurz darauf eintretenden Effekt, der weniger angenehm ist: Es wird durch die gesteigerte Luftfeuchtigkeit schwüler im Raum. Das kann bei vielen Wiederholungen sogar zur Schimmelbildung führen. Übrigens: Die Luftfeuchtigkeit in Räumen erhöht sich auch über viele Pflanzen, ein Aquarium oder Luftbefeuchter. Darauf weist Andreas Köhler hin. Vielleicht ist es an heißen Tagen ja möglich, das Grün und die Fische aus den Aufenthaltsräumen auszulagern. 

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